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Seine Gründungen heuteMaria Stern –  Mariannhill –  Emaus –  CMM –  CPS 2026

  • Sr. Annette Buschgerd cps
  • 31. März
  • 10 Min. Lesezeit

12 Artikel April 2026 

Als Abt Franz am 24. Mai 1909 in der Emaus Mission starb, war es still und einsam um ihn geworden. Doch er selbst ist unvergessen. Seine wichtigsten Gründungen haben ihn bis heute (2025) überdauert, zwar nicht mehr als Teil des Trappisten-Ordens, doch auch nicht ohne Bedeutung.

 

Maria Stern heute

Maria Stern konnte sich während seiner fast 150jährigeen Geschichte und trotz schmerzlicher Rückschläge bis heute behaupten. Bereits unter Prior Franz (1869-80) unterhielt es neben einer ertragreichen Landwirtschaft eine moderne Käserei, Brauerei und Gerberei und dazu Pflegeeinrichtungen und Fachschulen, die unter seinem Nachfolger, dem ersten Abt von Maria Stern (1886), ausgebaut wurden.

 

1913 war Maria Stern mit mehr als 260 Mönchen die größte Trappistenabtei der Welt. Von seiner innovativen Infrastruktur (Brücken, Wasser- und Dampfkraft), Schulen und Betrieben profitierte ganz Bosnien. „Noch heute können die gusseisernen Turbinen und Traforäder mit ersetzbaren Zähnen aus Eichenholz von 1899 besichtigt werden;“ ebenso die anfangs der 30er Jahre ganz aus Holz gefertigte Sakristei „der größten katholischen Kirche Bosniens.“* Maria Stern war mit seiner Lebensmittel- (Fleisch, Nudeln, Bier, Sodawasser, Käse) und Holzindustrie, sowie mit einer Leim-, Seifen- und Tuchfabrik, einer Gerberei und Schneiderei mit Abstand „der größte Arbeitgeber in der Region und machte Banja Luka zu einer wohlhabenden und modernen Stadt.“ Außerdem veredelte es mit seinem Zuchtvieh die veraltete Viehwirtschaft im Land und nutzte dem Ertrag für seine Jugendarbeit. Das Waisenhaus von Maria Stern nahm erstmals Kinder aus ganz Bosnien auf, die von seinen 35 Ausbildungsmöglichkeiten profitierten und nach erfolgreicher Lehre ihr erstes Handwerkszeug geschenkt bekamen. Eine Suppenküche beköstigte jeden Tag 100 Bedürftige.

Auf die Zeit der Blüte folgte der Erste Weltkrieg (1914-8). Das Waisenhaus wurde verstaatlicht und als Lazarett, später Rekonvaleszenz-Krankenhaus für Kriegsversehrte, umfunktioniert, während für die eigenen Rückkehrer deutscher Herkunft ein anderes Kloster, Himmerod, gegründet werden musste. Das neue Jugoslawien beanspruchte Mitspracherecht in der Leitung des Elektrizitäts- und Sägewerks sowie der Brauerei und Tuchfabrik und bildete mit diesen Erwerbszweigen eine eigene Aktiengesellschaft. Maria Stern aber nahm unbemittelte deutsche Jugendliche und Handwerker auf, von denen nicht wenige  dem Orden beitraten.

1941 fiel Hitler in Jugoslawien ein. Durch die deutsche Wehrmacht wurde Maria Stern besetzt, durch die Kommunisten 1945 die Trappisten verhaftet. Die meisten flüchteten nach Engelszell (Österreich); zwei Maria Sterner wurden Äbte in Mariawald. 1946 zählte das Kloster noch 32 Mitglieder; es wurde verstaatlicht und als orthopädische Anstalt genutzt. Nur die Kirche blieb bestehen, wurde aber 1969 – nur einen Monat nach ihrer Restaurierung – und wiederum 1981 durch Erdbeben schwer beschädigt. 1972 ernannte der Ortsbischof sie zur „Pfarrei Marija Zvijezda. „Sie hatte ca. 2000 Gläubige, aber nach dem verheerenden Bosnienkrieg von 1992-5 noch ganze 150.“

Dank der regen Werbetätigkeit des Gründerabts traten nicht nur Männer aus insgesamt 16 europäischen Ländern in Maria Stern ein, sonders es ließen sich auch Siedler aus Deutschland und der Habsburg Monarchie rund um Banja Luka nieder. Sie konnten  die klostereigenen Brücken, und Stromanlagen, Sägewerk, Schlachthof, Obstdörren, Mühlen, Silos und Meiereien nutzen und bildeten „in friedlicher Koexistenz mit den einheimischen Kroaten, Serben und Bosniaken ein wohlhabendes, vielsprachiges und multikonfessionelles Klein-Europa, das 1918 selbst den Zusammenbruch der Habsburgermonarchie überdauerte. Doch der Zweite Weltkrieg und der Kommunismus vernichteten bis auf wenige Ausnahmen diese friedliche Welt.“  Die Deutschen flohen; andere Siedler wurden 1945 in ihre Herkunftsländer zurückbefördert und der verbliebene Rest im Bosnienkrieg „Opfer ethnischer Säuberung und Vertreibung aus der Republika Srpska. Heute erinnern nur noch Kirchen und Friedhöfe an die 2-3 Generationen europäischer Kolonisten in Banja Luka.“

2017 zogen die Trappisten sich endgültig aus Maria Stern zurück und übergaben es   im 140. Jahr seines Bestehens an das Bistum Banja Luka. 2020 wurde das „Europazentrum Maria Stern für Frieden und Zusammenarbeit“ gegründet und 2021 der gleichnamige Freundeskreis, deren Aufgabe es ist, das Erbe der ehemaligen Trappistenabtei zu bewahren und bekanntzumachen und die christliche Soziallehre im Sinne dieses Erbes umzusetzen, Außerdem möchten sie an einem gemeinsamen und christlich geprägten Europa sowie an der Völkerverständigung, zumal in Bosnien-Herzegowina, mitwirken und zu diesem Zweck der europäischen Jugend Gelegenheit zu Begegnung und Austausch bieten.

*Alle Zitate aus Rudolf Baier, „Trappistenabtei Maria Stern in Banja Luka. Ein Führer durch die Geschichte eines einzigartigen Europäischen Werkes. Friedberg. 1.Auflage, 2022.

 

Mariannhill Heute

Von Abt Franz in Emaus ist das Wort überliefert: „Nun weiß ich, dass aus Mariannhill einmal etwas Großes werden wird, weil es so viel gekostet hat.“ Das war prophetisch und aus der Erfahrung tiefen Leids gesprochen.

Den 2. Weltkrieg überstand Mariannhill trotz der Internierung der deutschen Mitglieder und wiederholter kritischer Situationen unbeschadet. 1947 übernahm P. Alfons Streit die Verantwortung, zunächst für die Provinz Mariannhill und ab 1950 als Bischof für die gleichnamige Diözese. Bis dahin durften auch katholische Schulen sich staatlicher Bezuschussung erfreuen, doch mit der Aufkündigung des sog. grant in-aid fiel der Unterhalt für die 20.000 Kinder in den Mariannhiller Schulen (einem Fünftel aller einheimischen Kinder, die in Südafrika auf katholische Schulen gingen) allein dem Bischof zu. Dem „kleinen Heiligen mit dem großen Herzen“ gelang es, Wohltäter zu gewinnen, allen voran das Bistum Münster unter Bischof M. Keller. Zur Seite stand ihm, ebenso unerschrocken wie er selbst, P. Ferdinand Holzner CMM (1906-1972), zuerst als Schulinspektor und 1957-1972 als Generaloberer der Mariannhiller Missionare, in welcher Rolle er sich – getragen von der Aufbruchsstimmung und dem Optimismus der damaligen Zeit – nicht nur für die Errichtung von insgesamt 6 ordenseigenen Seminaren einsetzte, sondern 1962 auch gemeinsam mit den Missionsschwestern vom Kostbaren Blut, als erster die Seligsprechung des Gründers anregte, obwohl das Verfahren später als den römischen Richtlinien nicht entsprechend eingestellt werden musste.

Aufgrund der sehr erfolgreichen Missionstätigkeit der Trappisten wurde die Diözese Mariannhill zum Vorreiter für die Heranbildung des einheimischen Klerus, stellte 1954 mit P. Pius Bonaventura Dlamini FSF den ersten von mittlerweile 6 einheimischen Bischöfen allein aus Mariannhill und verzeichnete den höchsten Anteil an Katholiken, gemessen in der Gesamtbevölkerung.

Hatte Mariannhill im Lauf seiner Geschichte bereits eine ganze Reihe bedeutender Männer hervorgebracht (Vgl. AL Balling CMM „Talentierte Mariannhiller“), so muss in der jüngeren Vergangenheit P. Dieter Gahlen (1948-2004) zu diesen gezählt werden. Als Bischofsvikar für Entwicklung, Gerechtigkeit und Frieden in Mariannhill beriet er die südafrikanische Bischofskonferenz in Fragen der Landverteilung. Unter seiner Führung wurden seit Ende der Apartheid (1991) mehr als 5000 Grundstücke aus Mariannhiller Besitz an die lokale Bevölkerung in KwaZulu-Natal verteilt.

 Sodann gingen von Mariannhill bzw. der Tochter-Diözese Mtata in den 90er Jahren die Initiative zu Neugründungen in Mosambik, Sambia und Kenia aus und wenig später jene zur Neubelebung der Emaus-Mission, des Alterssitzes des Gründers. Zurzeit (2025) ist Mariannhill über das eigene Bistum hinaus präsent in den Diözesen Durban, Umzimkhulu, Witbank und dem Vikariat Ingwavuma. Mit internationaler Unterstützung laufen Programme zur Restaurierung des Monastery/Retreat House und des Abbot Francis House in Merrivale sowie zur Festigung der klostereigenen Schneiderei. 

Möge Mariannhill nach nunmehr 143 Jahren seines Bestehens weiterhin beitragen zur Ausbreitung des Reiches Christi, das „keine Grenzen hat“ (Abt Franz) und, möge, mit den Worten des hl. Johannes Paul II an das Generalkapitel von 2002, „Eure Patronin, die allerseligste Jungfrau Maria, …  Euch führen und Mutter Anna, die Ihr von Anfang an verehrt habt, zusammen mit der Schar der Glaubenszeugen aus Eurem eigenen Institut Euch beschützen und ermutigen.“

 

Emaus heute

Die letzte Gründung des großen Missionspioniers war Emaus (1894). Von ihr kann man sagen, dass sie mit Abt Franz steht und fällt.

Zu seinen Lebzeiten war Emaus eine blühende Mission. Später setzte das Vergessen und der Verfall ein, den weder ihre Zugehörigkeit zur Mutter-Station Lourdes noch zu der neu gegründeten Diözese Umzimkulu (1954) aufhalten konnte. Das Unkraut, das auf dem Grab wucherte, in dem die Schwestern Teil seines Herzens beigesetzt hatten, war kennzeichnend für die Gleichgültigkeit ihm selbst gegenüber. Die letzten Schwestern verließen Emaus 1961 und kehrten erst 30 Jahre später auf Drängen der Generalleitung zurück, als die Emaus-er sie zurückhaben wollten und die Kirche alle Ordensleute aufforderte: „Zurück zu den Quellen!“ zu gehen.

Emaus hatte keine materielle Selbstständigkeit mehr; es fehlte nicht nur an der Pastoral, sondern auch an der Infrastruktur, an Anschluss und Bekanntheit. Jahrelang eher uninteressant, wartete es auf Neubelebung. Diese bahnte sich an, als die Persönlichkeit des Gründers und, stärker noch, seine Seligsprechung in den Blickpunkt traten und ein paar Begeisterte einen „joint venture“ eingingen, um der Station ihren ursprünglichen Stellenwert zurückzugeben. Das war 2005. „Wir haben den Auftrag, Wege zu suchen, damit Mariannhill auch im neuen Jahrtausend ein lebendiges und relevantes Missionszentrum bleibt; Wege, die aus unserem reichen Erbe erwachsen. Das Projekt in Emaus ist ein Teil dieses Bemühens.“ (P. Christoph Eisentraut CMM, 2007) Kardinal Napier von Durban gab die Mission den Mariannhillern in 99-jährige Pacht. Der 24. Mai wurde ein vielbesuchter Gedenktag. Emaus erhielt einen neuen Pfarrer, und ein Team von Missionsschwestern vom Kostbaren Blut bot nicht nur Führungen, geistliche Begleitung und Einkehrtage an, sondern kümmerte sich ebenso um die Kinder, Jugendlichen, Familien, Kranken (HIV/Aids) und Pfarrverbände vor Ort wie auf den 13 Außenstationen. Sie waren sozusagen das Herz der Mission, die sie 130 Jahre zuvor unter ihrem Stifter aufgebaut hatten. 2008 gab es 23 Kleine Christliche Gemeinschaften (KCG) und insgesamt 56 Seelsorgestellen in Emaus.

Mit Blick auf die 100. Wiederkehr des Gründer-Todes (2009) wurden in rascher Folge neue Initiativen zugunsten seines Domizils ergriffen. Neben einer missionarischen Gemeinde-Erneuerung und der Verbesserung seiner Infrastruktur (Strom, Straße, Internet) wurde die Station enger an Mariannhill angebunden und die Aufmerksamkeit der Kirche sowie des aufkommenden Pilger-Tourismus auf ihre Bedeutung gelenkt.

Das ursprüngliche Franz-Xaver Kirchlein ist heute das Herz eines größeren Gotteshauses und das Sterbezimmer des Gründers eine vielbesuchte Gedenkstätte. Zu den nachhaltigsten Entwicklungen gehören der Teameinsatz für die Evangelisierung des Ortes nach dem Motto: „Was immer in Emaus geschieht, muss pastoral auf die Diözese Umzimkulu ausstrahlen.“ Emaus ist als Stätte spiritueller Erneuerung und Begleitung zu einem viel beachtetes Reiseziel entlang des sog. „Abt Franz Pilgerwegs“ geworden, wo man sich seit Eröffnung des Heritage Centers (2008) und des Langen Zentrums (2010) über Abt Franz informieren kann. Menschen aus den unterschiedlichsten Milieus, Christen, Buddhisten und Muslime, nehmen beschwerliche Anfahrten auf sich, um an seinem Sterbeort Orientierung zu finden und geistlich aufzutanken. Kernstück und Wahrzeichen aber ist der Kalvarienberg, denn am Beispiel des Gründers, der dort bald nach seiner Ankunft am 24. April 1894 und mit den primitivsten Werkzeugen einen steilen Kreuzweg in den Felsen gehauen hat und ihn bis kurz vor seinem Tod am 24. Mai 1909 täglich ging, kann man ermessen, was es braucht, bis ein Mensch zu seiner wahren Größe heranreift. War aber Baba Franz schon zu Lebzeiten ein verlässlicher Ratgeber und Helfer, z. B. bei Krankheit, Grenzstreit oder schlechtem Wetter so ist er es heute noch mehr.

 

CMM heute

Nach dem 2. Weltkrieg kam es unter den Mariannhiller Missionaren zu einem Neubeginn, der u.a. auf die steigende Anzahl von Priestern und Brüdern afrikanischer Herkunft zurückgeführt werden kann. 19 sind zurzeit in den nördlichen Provinzen eingesetzt (Stand vom 31.07. 2025).  Die 316 Mitglieder gehören 29 verschiedenen Ethnien an, neben den traditionellen u.a. auch Papua Neu Guinea, Kolumbien und, in Einzelvertretung, diversen afrikanischen Staaten (31. 12. 1924). Das Durchschnitts-alter der Jüngeren liegt mit 27 Jahren 40 Jahre unter dem der ursprünglichen Herkunftsländer.

Eines der herausragenden Ereignisse der jüngeren Geschichte war die Seligsprechung des Mariannhiller Märtyrers, P. Engelmar Unzeitig (2016); andere Mitbrüder machten sich um die Mariannhiller Geschichte einen Namen, allen voran P. Timotheus Kempf (1901-86) als Erforscher des Gründerlebens und -wirkens in 4 Sammelbänden, und P. Adalbert L. Balling (1930.2024) als Autor von Mariannhiller Biografien und zahllosen Schriften geistlich-unterhaltsamen Inhalts, von denen einige übersetzt wurden, u. a. in Chinesisch und Zulu.

Nachwuchsmangel und Überalterung zwangen die Kongregation zur Aufgabe gewisser Tätigkeiten bzw. der Schließung von Häusern wie Reimlingen, und zur Konzentration der verbleibenden Kräfte durch die Zusammenlegung der deutschsprachigen Provinzen in eine Europäische Zentral-Provinz (2025). Trotzdem sind die Mariannhiller Missionare in 13 Ländern präsent. In der sog. westlichen Welt versuchen sie, in Schulen, Pfarreien, Gruppen von Jugendlichen und Erwachsenen sowie durch außerordentliche Seelsorge Interesse und Verständnis für die Mission zu wecken; vor Ort verbreiten sie den Glauben und versuchen, ihn durch Ausbildung von Katechisten, in Schulen und Werkstätten zu festigen.

Bereits 2002 forderte der hl. Papst Johannes Paul die Kongregation auf, nach dem Vorbild von Abt Franz, der, wie er betonte, „für den Aufbau des Königreichs brannte und trotz Hindernissen mutig durchhielt, … voller Hoffnung voranzuschreiten.“ Die Kirche zähle auf ihr „Engagement und Ihre Begeisterung für die Mission ad gentes und (sei) überzeugt, dass (sie) dadurch „auf besonders tiefgreifende Weise zur Erneuerung der Welt“ beitragen würden.

 

CPS Heute

Die Missionsschwestern vom Kostbaren Blut sind eine persönliche Gründung von Abt Franz Pfanner. In Art. 10 dieser Serie wurde ihre Entwicklung bis zum 2. Weltkrieg skizziert.

 Nach dem Krieg setzte eine Erholung ein. Neuanfänge wurden möglich in PNG (1948 – 1953/1962); Irian Jaya/Indonesien (1948); Kanada (1951); Portugal (1958); Schweiz (1964-70/1985-91); Spanien (1964-86); Südkorea (1986) und Rumänien (1993-2013). 1970 verlegte die Generalleitung ihren Sitz 1970 nach Rom. 

 

Die weitere Entwicklung stand ganz im Zeichen des Umbruchs als Folge verschiedener Umstände wie der Auswirkungen des Kriegs und des Deutschen Wirtschaftswunders, der Reformansätze des 2. Vatikanischen Konzils (1962-5), der Umwälzungen durch die Kulturrevolution von 1968 in Bildung, Familie und Kirche sowie der drastischen Veränderungen in Mode, Medien und Mobilität. Alles wurde hinterfragt: Gelübde, Autorität, Gemeinschaftsleben, Missionsauftrag, Ordensname und -kleidung. Die Neue Theologie trug das ihre zur Verunsicherung bei. Anpassungen wurden gemacht, weil sie überfällig waren, wenn auch manche im Rückblick als übereilt eingestuft werden, weil nicht nur Ballast, sondern auch gemeinschaftsstiftende Werte und Bräuche – Erbe aus Gründerzeiten und langjähriger Erfahrung – abgeworfen bzw. vernachlässigt wurden. In schneller Folge traten 1960 – 2000 insgesamt 479 Schwestern aus der Kongregation aus, davon 266 oder 56% in den nördlichen Provinzen und der Rest in den Breitengraden. Etliche Aufgabenbereiche wurden aufgegeben. 

 

Der Umbruch war tiefgreifend. Nur langsam setzte in Kirche und Kongregation ein Umdenken ein, nach dem Motto „Zurück zu den Quellen!“.  Die Zahl der Austritte fiel bis 2015 im Norden auf 5 und im Süden auf 73 Fälle; anders ausgedrückt:  die Austrittswelle hielt sich mit 271 Schwestern oder 49% im N und 280 im S die Waage. Geistliche Vertiefung und Begleitung, Rückbesinnung auf das CPS-Charisma und die eigene Spiritualität sowie die Erschließung des geschichtlichen Erbes gewannen an Stellenwert, desgleichen die afrikanischen Provinzen. Sie litten (noch) nicht unter Nachwuchsmangel. Die Kongregation wurde sich der ihr ein-gestifteten Internationalität (später: Geschwisterlichkeit) als Weg aus dem Engpass bewusst. Das Bildungsangebot wurde erweitert (mehrere Noviziate, Übersee-Studium); Mitglieder wurden von Süd nach Nord versetzt; das Verantwortungsbewusstsein für essentielle Anliegen, wie Evangelisation, Nachhaltigkeit (sustainability), Verwaltung und Bewahrung der Schöpfung neu in den Blick genommen und Neugründungen mit vorwiegend afrikanischen Schwestern gestartet (Sudan 2005, Sambia 2006; West Timor und Philippinen 2017). Erstmals wurde 1997 mit Sr. Nancy Iampietro eine Generaloberin nicht-deutscher Herkunft, sondern eine Amerikanerin, und 2017 mit Sr. Monica Mary Ncube eine Afrikanerin aus Simbabwe gewählt. Der Mitgliedsstand lag am 10. September 2025 bei 662 Schwestern, davon 436 oder 62% aus 11 afrikanischen Ländern. Die Zahl der verstorbenen Mitglieder betrug 1924 (31. 12. 2024).

 

Zu den traurigen highlights dieser Jahre gehören der gewaltsame Tod mehrerer Schwestern, die Opfer von Terrorangriffen in Simbabwe und Mosambik sowie Raubüberfällen im Ost-Kap wurden. Die Mutterhaus-Gemeinschaft Heilig Blut sank auf 15 Mitglieder, bietet dafür aber zurzeit ca. 60 ukrainischen Flüchtlingen Unterkunft und Hilfe bei der Integration.

Inzwischen konnten einige Provinzen ihr hundertjähriges Bestehen feiern. Zwar konnte die Kongregation noch nicht alle Wünsche des Gründers erfüllen, doch sie vertraut auf seine mächtige Fürsprache und vergisst nicht, was er ihr ins Stammbuch schrieb:

„Wenn ich einmal meinen letzten Atemzug tue,

werde ich nur den einen Wunsch an meine Roten Schwestern haben:

‘Lont nit lugg!’ und ‘Aqua alle corde!“ 

 

 „Lasst nicht los! Wasser auf die Seile!“, nach Abt Franz sind dies die Worte, mit denen der kommandierende Marschall die Männer anfeuerte, die am 10. September 1586 den Obelisk auf dem Petersplatz aufrichteten. (Zit. in seinem Brief an seine langjährige Sekretärin, Sr. Euphrosine Rothacker, zu ihrer Ewigen Profess am 9. Mai 1907.)

© Sr. Annette Buschgerd cps

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